51. Deutsches Jazzfestival Frankfurt - Eröffnungskonzert

The Artistry of Jazzmeia Horn

Mittwoch 28. Oktober 2020
20:00, Großer Saal
Jazzmeia Horn Jazzmeia Horn © Emmanuel Afolab

Jazzmeia Horn Gesang Jazzmeia Horn Quintet hr-Bigband Jim McNeely Leitung

"She IS the future of Jazz"

Auch wenn diese Behauptung des Jazzproduzenten Larry Rosen etwas hoch gegriffen erscheint, ist eines sicher: Jazzmeia Horn ist DER neue Shooting Star unter den Jazz-Vokalistinnen. Die 29-Jährige kann auf einen fulminanten Karrierestart stolz sein: Zwei Alben mit zwei Grammy-Nominierungen und der 1. Preis der elitären Thelonious Monk Jazz Competition stehen unter anderem auf ihrem Konto. Von einer sich im Lob überschlagenden Presse ganz zu schweigen.

Dass sie mit ihrer Namensgebung richtig lag, bestätigte sich für die Familie von Jazzmeia Horn, als die Dreijährige sich problemlos in den Gospelchor ihrer Gemeinde einfügte, nachdem sie offensichtlich für den Kinderchor bereits zu gut war. In der Booker-T.-Washington-High-School, die vor ihr etwa Erykah Badu oder Norah Jones besuchten, verliebt sich Jazzmeia in die Gesangskunst von Sarah Vaughan und Betty Carter und gewinnt zweimal hintereinander den Student Music Award der renommierten Zeitschrift DownBeat. 2015 begeistert sie die mit Dee Dee Bridgewater, Patti Austin und Al Jarreau hochkarätig besetzte Jury der internationalen Thelonious Monk Jazz Competition.

Die Grammy-Nominierung für ihr Debutalbum „A Social Call“, das es in die Top 10 der Billboard-Jazzcharts schafft, erscheint da nur folgerichtig, zumal sie das Publikum der Grammy-Verleihung mit ihrer Interpretation des Jazz-Messengers-Standards „Moanin‘“ von den Stühlen reißt. Das gesamte Spektrum afroamerikanischer Gesangskunst, von den archaischen Field Hollers des ländlichen Südens bis hin zu hochvirtuosen Scat-Improvisationen, lebt in der außergewöhnlichen Stimme dieser selbstbewussten jungen Frau, die mit beiden Beinen in der Gegenwart steht und dabei Geschichte und Zukunft miteinander verbindet.

Acht der zwölf Tracks ihres zweiten Albums „Love & Liberation“ (ebenfalls für den Grammy nominiert) stammen aus Horns eigener Feder. “Sie mögen wie Standards klingen, aber es sind keine. Es ist Musik, die die Fackel aufnimmt und vorwärts trägt“, sagt die 29-Jährige und beschreibt damit zugleich ihren ästhetischen Ansatz. „Befreie dein Denken und sei, wer du sein willst“, singt sie in „Free your mind“, dem ersten Titel des Albums. Wer sie sein will, das drückt Jazzmeia Horn auch in ihren farbenfrohen Bühnenoutfits aus, die sie selbst näht, wie sie nicht ohne Stolz verrät: „All that is truly my artistry - all das ist meine Kunst: meine Kleider, mein Gesang und meine Musik.“

Jazzmeia Horn wird ihre Kunst zunächst mit ihrer eigenen Band zelebrieren. In der zweiten Konzerthälfte ist es unser Vergnügen, einen Gedanken aufzugreifen, den sie 2019 gegenüber dem Magazin DownBeat äußerte: „Ich würde gern mit einer Big Band arbeiten“.