Felix Semmelroth (1949-2026)

DIE ALTE OPER FRANKFURT TRAUERT UM FELIX SEMMELROTH, DER AM 6. AUGUST 2026 IM ALTER VON 76 JAHREN VERSTORBEN IST
Man konnte mit Felix Semmelroth vortrefflich über Kunst und Kultur sprechen. Und man konnte dabei viel lernen. Der promovierte Literaturwissenschaftler war ein kluger, belesener und überaus kenntnisreicher Gesprächspartner, einer, der Zusammenhänge herzustellen wusste und aus seinem reichen Wissen ganz selbstverständlich schöpfte. Zugleich besaß er eine besondere persönliche Ausstrahlung: höflich und verbindlich im Umgang, fein im Ton, leidenschaftlich in der Sache und unbeirrbar, wenn es um die Bedeutung von Kunst und Kultur ging.
Die Alte Oper hat mit Felix Semmelroth einen langjährigen und verlässlichen Fürsprecher verloren. Von 2006 bis 2016 war Felix Semmelroth Kulturdezernent der Stadt Frankfurt und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Alten Oper. In diesen zehn Jahren hat er sich nachdrücklich für die Belange des Hauses eingesetzt. Als die finanziellen Spielräume enger wurden, stand er umso mehr für städtische Kulturförderung und damit auch hinter der Alten Oper. Er wusste um die Bedeutung der Alten Oper als Ort, an dem höchste künstlerische Qualität gepflegt wird – und zugleich darum, dass sich diese Qualität nicht im Bewahren erschöpfen darf.
Felix Semmelroth verstand das Leitbild seines Vor-Vor-Vorgängers Hilmar Hoffmann „Kultur für alle“ nicht als Gegensatz zur Hochkultur. Er war überzeugt, dass sich neue Wege zur Kultur öffnen lassen, ohne den Anspruch an die Kunst und ihre Qualität zu senken. Wie ernst er diesen Gedanken nahm, zeigte sich unter anderem in seinem Engagement für kulturelle Bildung. Als die Alte Oper mit PEGASUS ihr Kinder- und Jugendprogramm aufbaute, unterstrich er mit großer Leidenschaft die Bedeutung eines eigenständigen Musikangebots der Alten Oper für junge Menschen. Und schüttelte am Rande der Programmvorstellung spontan und souverän eine kleine Einordnung des Pegasus-Mythos in der griechischen Mythologie aus dem Ärmel. Den Aufbau einer neuen Weltmusik-Reihe, die mit Musik aus den Heimaten geflüchteter Menschen startete, konnte er ebenso wertschätzen wie einen klassisch geprägten Abend mit einem internationalen Spitzenorchester.
So bleibt Felix Semmelroth der Alten Oper in besonderer Erinnerung: als kultivierter und charismatischer Kulturpolitiker, als leidenschaftlicher Anwalt der Künste und als jemand, der diesem Haus stets mit großem Interesse und persönlicher Zugewandtheit begegnete. Er verband intellektuellen Anspruch mit Menschlichkeit, politische Beharrlichkeit mit feinen Umgangsformen und seine Überzeugung von der Kraft der Kultur mit der Bereitschaft, für sie einzustehen.
Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und bei allen, die Felix Semmelroth verbunden waren.