Herbert Blomstedt (1927 – 2026)

Die Alte Oper Frankfurt verneigt sich vor Herbert Blomstedt, der mit 99 Jahren verstorben ist
Ein kaum fassbar großes, reiches Musikerleben ist zu Ende gegangen: Gestern starb der Dirigent Herbert Blomstedt im Alter von 99Jahren. Die Musikwelt verliert damit einen gleichermaßen charismatischen wie bescheidenen, einen ebenso stilprägenden wie unkapriziösen Künstler, der mehr als 70 Jahre an den Pulten der bedeutendsten Orchester stand. In dem 1927 in den USA als Sohn schwedischer Eltern geborenen und in Stockholm aufgewachsenen Dirigenten fand der deutsche Orchesterklang einen seiner stärksten Exponenten: „Die deutsche Orchesterlandschaft war für mich schon als Schuljunge, also während des Zweiten Weltkrieges, das Ideal“. Er war Chefdirigent unter anderem der beiden ältesten deutschen Klangkörper, nämlich der Sächsischen Staatskapelle Dresden und des Gewandhausorchesters Leipzig.
Mit der Staatskapelle war Herbert Blomstedt gleich im Oktober 1982 und damit gut ein Jahr nach der Wiedereröffnung der Alten Oper in Frankfurt zu Gast. Aber auch das San Francisco Symphony Orchestra, die Bamberger Sinfoniker, das Chamber Orchestra of Europe, das Gustav Mahler Jugendorchester und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen standen bei seinen insgesamt 20Gastspielen in der Alten Oper unter seiner Leitung.
Häufig hatte er dabei Werke von Mozart und Bruckner aufs Programm gesetzt, zwei Zentralgestirne im umfangreichen Repertoire dieses einzigartigen Orchesterleiters. Mozart sei, so Blomstedt, „jedenfalls mit das Schwierigste, was es gibt. Alleine schon wegen der Balance, die man da erreichen muss. Leicht für Kinder, sagt man, enorm schwer für alle Älteren.“
Zuletzt war der Grandseigneur seiner Zunft im Herbst 2021 in unserem Konzerthaus zu erleben, als Ehrendirigent am Pult der Bamberger Symphoniker. Auf dem Programm stand unter anderem Beethovens fünfte Sinfonie – „in schnellem Tempo und im Finale mit schönstem élan terrible und éclat triomphale aufwartend“, wie die Frankfurter Rundschau damals schrieb. „Das hätte man eher einem deutlich jüngeren Dirigenten zugetraut“.
Die Alte Oper wird dem großen, so herzlichen Musiker und Menschen, der am 4. November im Kreise seiner Familie in seinem Zuhause im schwedischen Göteborg verstorben ist, stets ein ehrendes Andenken bewahren.