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The Jazz Animals – "It must schwing"

Tribute to Alfred Lion & Francis Wolff

online ab € 43,-
Montag 11. November 2019
20:00, Großer Saal
Émile Parisien Émile Parisien © Francis Vernet

Émile Parisien Leitung und SaxofonTheo Croker TrompeteGlenn Ferris PosauneYaron Herman KlavierJoe Martin BassGerald Cleaver SchlagzeugBenny Golson Special Guest, SaxofonAxel Zwingenberger Special Guest, Klavier

Das einflussreichste Jazzlabel der Musikgeschichte, Blue Note Records, feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Der runde Geburtstag ist eine treffliche Gelegenheit, an die beiden aus Deutschland nach New York emigrierten Gründer, Alfred Lion und Francis Wolff, sowie an ihr Werk zu erinnern.

Das fand auch Siggi Loch, Gründer des Jazzlabels ACT, der Lion und Wolff noch persönlich kannte und zu seinem Vorbild machte. Er kuratierte deshalb eine Band, die in der Lage ist, die epochalen Jahre von Blue Note bis zur Mitte der Sechziger Jahre in ein Programm zu gießen, das einen ähnlich weiten und virtuos geschwungenen Bogen schlägt wie die Künstler von Blue Note. Der beginnt mit einem Kurzauftritt des Hamburgers Axel Zwingenberger, der am Piano in die frühen Jahre seiner Karriere zurückkehrt und die zu Unrecht gern belächelte Kunst, den Boogie, ins rechte Licht zurückholt.

Für seine Retrospektive hat Siggi Loch den Saxofonisten Émile Parisien zum Bandleader erkoren, sein Begleitquintett besteht aus Theo Croker (Trompete), Glenn Ferris (Posaune), Yaron Herman (Piano), Joe Martin (Bass) und Gerald Cleaver (Drums). Als Special Guest wird der Saxofonist Benny Golson mit von der Partie sein, was getrost eine kleine Sensation genannt werden darf. Der Musiker, am 25. Januar dieses Jahres 90 Jahre alt geworden, war noch aktiv an der goldenen Ära von Blue Note beteiligt, sein lyrisch warmer Ton ist auch auf dem 1958 entstandenen Meilenstein "Moanin'" von Art Blakey's Jazz Messengers zu hören.

Siggi Loch hat sich mit dem Jazz-Virus infiziert, als er die ersten Aufnahmen Sidney Bechets Mitte der Fünfzigerjahre hörte. Dessen "Summertime" wird nun auch den Abend "It must schwing" eröffnen, es folgen Klassiker – was auch sonst? – von Bud Powell, John Coltrane, Horace Silver, Art Blakey, Thelonius Monk, Cannonball Adderley, Miles Davis, Lee Morgan, Herbie Hancock und Wayne Shorter. Wie besser als anhand dieser Namen ließe sich die Bedeutung des Labels Blue Note wohl beschreiben? "Dieses Projekt", sagt dann auch Émile Parisien, sei "eine der besten von den vielen sehr guten Ideen Siggi Lochs" gewesen, er selbst und seine Band seien Siggi dafür schon jetzt dankbar, "die ganze Jazzgemeinde wird dem wohl folgen."

Bleibt noch, den leicht skurrilen Titel dieser Karsten Jahnke JazzNight zu erklären. Während Francis Wolff als Fotograf für die bis heute stilbildenden Cover der Alben von Blue Note verantwortlich war, definierte Alfred Lion deren musikalischen Grundsätze. Und weil er als Emigrant der Sprache seiner neuen Heimat niemals wirklich mächtig wurde, lautet der von ihm meist überlieferte Satz "It must schwing", an den sich alle seine Musiker hielten. Blue Note ohne Groove war und blieb undenkbar. Das ist zwar noch heute so, dennoch lässt Siggi Loch seine Retrospektive Mitte der Sechziger enden. 1967 ging Lion in den Ruhestand, Wolff starb vier Jahre später. Die Musik, der sie zu Weltruhm verhalfen, darf weiterhin als unsterblich bezeichnet werden.

Präsentiert von Journal Frankfurt