FOKUS Leif Ove Andsnes

B E S E T Z U N G S Ä N D E R U N G

hr-Sinfonieorchester

online ab € 17,-
Freitag 08. Februar 2019
20:00, Großer Saal
Lise de la Salle Lise de la Salle © Stéphane Gallois

Andrés Orozco-Estrada LeitungLise de la Salle Klavier (anstelle von Leif Ove Andsnes) Vocalconsort Berlin

Johannes Brahms Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15
Schicksalslied op. 54
Béla Bartók Der wunderbare Mandarin op. 19

Konzerteinführung um 19:00 im Großen Saal

Aufgrund einer Ellenbogen-Verletzung musste Leif Ove Andsnes die Konzerte unserer ihm gewidmeten FOKUS-Reihe im Februar leider absagen. Für ihn konnte das hr-Sinfonieorchester die Pianistin Lise de la Salle gewinnen, die sich nun dem Brahms’schen Klanggebirge seines 1. Klavierkonzerts annehmen wird. Zusammen mit dem hr-Sinfonieorchester präsentiert die junge Französin unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada das 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms. Außerdem stehen weiterhin Brahms‘ „Schicksalslied“ sowie „Der wunderbare Mandarin“ von Béla Bartók auf dem Programm.

Lise de la Salle gilt als eine der derzeit aufregendsten jungen Pianistinnen. Der erst 30-jährigen Französin sagt man eine außergewöhnliche Sensibilität und Reife nach. Ihr Spiel inspirierte die Washington Post zu folgendem Kommentar: „Bei weiten Teilen des Konzert vergaß das Publikum fast zu atmen. Die Anspannung ließ erst nach, als sie ihre Hände von den Tasten nahm.“

In Ungarn durfte Bartóks Pantomime „Der wunderbare Mandarin“ zunächst gar nicht gezeigt werden, aber auch nach der Kölner Uraufführung 1926 ließ der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer alle weiteren Aufführungen vom Spielplan nehmen. Prostitution, Totschlag, Räuberei und Straßenlärm auf einer Ballettbühne: Ein solch neues Sujet und eine so bildhafte, expressionistisch übersteigerte musikalische Umsetzung verstießen allzu sehr gegen Sitte und Moral.

Der „Mandarin“ war ein Skandal – ein Auf- und Anreger ist er bis heute. Bartók selbst nannte die Pantomimen-Handlung dagegen „wunderschön“, der Klangsprache dazu gab er aber eine enorme Fallhöhe mit. „Hier reißt die Musik vom ersten Ton an in die Tiefen der Hölle hinab“, beschreibt es der Bartók-Forscher György Kroó. „Es ist kein Lärm nur für die Ohren, sondern eine Musik, die mit ihrer alarmierenden Grausamkeit das Innere aufwühlt.“ Johannes Brahms dagegen widmet sich der himmlischen Gegenwelt. In seiner Vertonung von Friedrich Hölderlins „Schicksalslied“ kommt man der Sphäre der Götter ganz nah. „Ihr wandelt droben im Licht, auf weichem Boden, selige Genien“, heißt es da. „Schicksalslos, wie der schlafende Säugling, atmen die Himmlischen.“