Isabelle Faust, Violine

online ab € 29,60
Freitag 17. Mai 2019
19:00, Mozart Saal
Isabell Faust Isabell Faust (c) Felix Broede

Johann Sebastian Bach Sonate Nr. 1 g-Moll BWV 1001
Partita Nr. 1 h-Moll BWV 1002
Sonate Nr. 2 a-Moll BWV 1003
Partita Nr. 3 E-Dur BWV 1006
Sonate Nr. 3 C-Dur BWV 1005
Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004

Joseph Joachim war im ausgehenden 19. Jahrhundert DER Geiger schlechthin, ihm verdanken wir die Wiederentdeckung des Beethovenschen Violinkonzerts. Als Primarius des seinen Namen tragenden Joachim-Quartetts bereiste er die halbe Welt, und wenn er Violinsonaten im Konzert spielte, wurde er von Johannes Brahms oder Clara Schumann am Klavier begleitet. 1890 war er in London der erste Geiger, der Bachs C-Dur-Sonate öffentlich vortrug, schon als mutiger 13-Jähriger hatte er 1844 dieses Werk in Berlin im Konzert gespielt.

George Bernard Shaw war unter den Zuhörern und schrieb folgende bemerkenswerten Sätze: „Man kann selbstverständlich eine vierstimmige Fuge nicht kontinuierlich auf der Geige spielen; doch mit Hilfe von Doppelgriffen und Bocksprüngen von einer Stimme zur anderen kann man das scheußliche Gespenst einer Fuge heraufbeschwören, was verzeihlich erscheint, wenn Bach und Joachim dafür einstehen. Joachim kratzte frenetisch seinen Bach – produzierte Töne, nach denen der Versuch, Muskatnuss auf einer Schuhsohle zu reiben, sich wie eine Äolsharfe angehört hätte. Wäre es ein unbekannter Spieler gewesen, er wäre nicht mit dem Leben davongekommen! Aber wir alle – ich selbst eingeschlossen – waren interessiert und begeistert. Die ehrenvolle künstlerische Laufbahn Joachims und die Größe von Bachs Erhabenheit hatten uns so hypnotisiert, dass wir ein scheußliches Geräusch für Sphärenmusik hielten.“

Vor 150 Jahren galt solch ein einzelnes Werk als Sensation, aber auch heute ist die Darbietung aller sechs Sonaten und Partiten immer noch eine Seltenheit. Wenige Ausnahmekünstler stellen sich dieser Herausforderung – und auch das Publikum muss wache Ohren und ein gerüttelt Maß an Imagination mitbringen, denn Bach fordert ein äußerst aktives Mithören. Wie er selbst, der ein hochprofessioneller Geiger und Bratscher war, dies in die klingende Tat umgesetzt haben könnte, wissen wir nicht. Bis heute stehen seine „Sei solo a violino senza basso accompagnato“ als einsamer Gipfelpunkt da und sind für jeden Geiger Maßstab seines Könnens. Die Frankfurter Bachkonzerte haben schon mehrfach zyklische Aufführungen – die Cellosonaten, das Wohltemperierte Klavier und Ähnliches in der Alten Oper aufs Programm gesetzt. Mit Isabelle Faust kommt nun eine Künstlerin an den Main, die mehrfach bewiesen hat, wie persönlich sie diese „Sei solo“ nimmt, ihre CD-Aufnahme ist preisgekrönt. Aber sie weiß auch: „Jedes Mal denke ich auf der Bühne, wie gehen wir die Sache heute an? Ich weiß nie, was daraus wird. Die Reise führt jedes Mal an einen andern Ort.“